Austerlitz

Sergei Loznitsa (R/K), Jesse Mazuch (K)
D 2016, 94 min, dt./span./engl. OmU

Menschen in Freizeitkleidung strömen durch ein schweres Stahltor. Kurz halten sie inne, um dem ans Ohr gehaltenen Audioguide zuzuhören oder für ein Foto zu posieren. „Arbeit macht frei“ steht am Tor. Sergei Loznitsa hat seine Kamera den Sommer über in KZ-Gedenkstätten aufgestellt. Unbewegte, lange und in schwarz-weiß gefilmte Einstellungen zeigen, wie die Besucher*innen den Lagerbauten begegnen, die als Rest vergangener Verbrechen und Schicksale geblieben sind. Wird Erinnerung durch banale Gesten und Routinen des Tourismus verhindert? Gibt es stille Momente aufrichtiger Erschütterung? Was bewahrt und bedeutet ein Selfie, aufgenommen an einem Sommertag in Dachau oder Sachsenhausen? „Selbst jetzt, wo ich mich mühe, mich zu erinnern“, klagt der Erzähler in W.G. Sebalds Roman „Austerlitz“, „löst sich das Dunkel nicht auf, sondern verdichtet sich bei dem Gedanken, wie wenig wir festhalten können, was alles und wieviel ständig in Vergessenheit gerät, mit jedem ausgelöschten Leben.“

METROPOLIS

SO 23.04.

18:30 Uhr

GAST: SERGEI LOZNITSA 

HAMBURGPREMIERE