dokumentarfilmwoche goes Filmfest

Zum geplanten Termin konnte die 17. dokumentarfilmwoche nicht stattfinden. Umso mehr freuen wir uns, mit einem tollen Querschnitt durch das Programm der abgesagten Ausgabe beim FILMFEST HAMBURG zu Gast zu sein.

Die 13 ausgewählten Filme erzählen vom Einfluss des Klimawandels auf Fischer*innen im Indischen Ozean, von chinesischen Livestreamer*innen und Insassen eines Hamburger Jugendgefängnisses; sie porträtieren eine österreichische Kleinstadt, dekonstruieren Technopartys und überlassen Kindern Regie, Kamera und Cast. Sie stellen auf verschiedene Weisen die drängenden Fragen unserer Zeit: Nach dem Recht auf Zugang und Teilhabe ebenso wie nach der Notwendigkeit, dem eigenen In-der-Welt-sein einen Sinn abzuringen – sei es durch exzessives Heimstudium von Filmen, durch die Konfrontation mit dem bisher Unbekannten oder durch das Zusammentragen und Aufschichten von Wissen, das geteilt werden soll.
Zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober möchten wir mit dem Film Zustand und Gelände von Ute Adamczewski sowie einer geführten Exkursion zu entsprechenden Orten in Hamburg am 4. Oktober ein erinnerungspolitisches Zeichen setzen.
»Einheit« ist, wie darin für das Jahr 1933 zu sehen ist, nur mit Ausgrenzung »anderer« zu haben, Diversität kann es durch Einheit nicht geben. Die schonungslose Aufarbeitung der eigenen Geschichte, die Kennzeichnung von Orten des Verbrechens und die Benennung von Täter*innen ist notwendig, denn es gibt nach wie vor unerfüllte Bedingungen für ein würdevolles gemeinschaftliches Zusammenleben: Einheit entsteht nicht durch die bloße Entscheidung für das eine oder das andere politische Narrativ. Zuletzt führten die Morde in Hanau vor Augen, dass es sich hier nicht um Fragen einer mehr oder weniger geglückten Vergangenheitsbewältigung handelt, sondern vielmehr um die Aufgabe der Gestaltung der Gegenwart. Die Perspektiven der hier vertretenen Filmemacher*innen auf die Realität sind ebenso vielfältig wie die vorgefundenen Problem- und Fragestellungen. Es gibt viel zu sehen. Es gibt viel zu reden. Wir freuen uns darauf!