LICHTMESS

SA 18.09.

21:00 Uhr

GÄSTE: ANJA DORNIEDEN, JUAN DAVID GONZÁLEZ MONROY

Q&A: DEUTSCH

Her Name Was Europa

Anja Dornieden, Juan David González Monroy, D 2020, 76 min, OmeU

Das Vorhaben, eine ausgestorbene Tierart wieder zum Leben zu erwecken, ist für den Menschen scheinbar gleichsam unmöglich wie erstrebenswert. Für Lutz Heck, einen deutschen Zoologen und Tierforscher, ist die Rückzüchtung des im 17. Jahrhunderts ausgestorbenen Auerochsen mit dem sogenannten Heckrind angeblich gelungen. Gemeinsam mit den Nazis und seinem Unterstützer Hermann Göring galt es, ein wildes, arisches Großwildjagdgebiet auferstehen zu lassen. Die Schriften und Fotografien Hecks sind der Ausgangspunkt des schwarz-weißen, analogen Essayfilms ›Her Name Was Europa‹. In den gegenwärtigen Niederlanden stoßen die beiden Filmemacher*innen auf eine Stiftung, deren Forschungsgegenstand ebenfalls die Erschaffung eines Abbilds des Auerochsen darstellt. Sind die ideologischen Hintergründe andere, findet sich auch hier eine idealisierte und zweckgebundene Vorstellung von Natur wieder, welche durch Genforschung, Zeichnungen, 3-D-Drucke oder Modellbauten herbeibeschworen wird. Analoge Texttafeln und Tierfotografien Hecks strukturieren den Film in seiner offenen Suche nach etwas, das nicht mehr existiert: der Auerochse. (mr)

LICHTMESS

SA 18.09.

21:00 Uhr

GÄSTE: SASHA LITVINTSEVA,
BENY WAGNER

 Q&A: ENGLISCH

A Demonstration 

Sasha Litvintseva, Beny Wagner, D/NL/GB 2020, 24 min, OmeU

Es gab eine Zeit in Europa, in der der Mensch nicht das Maß aller Dinge war und in der Monster ein untrennbarer Teil des Lebens waren. ›A Demonstration‹ erzählt davon und zeigt gleichsam, wie dies der Aufbruch der Moderne war, eine Unterscheidung zwischen dem Normalen und dem Anormalen vorzunehmen und sie zu vergleichen. Das Bedürfnis, einer christlichen Tradition entspringend, die Welt so zu klassifizieren, führt Sasha Litvintseva und Beny Wagner an die Schauplätze dieser Taxonomien der europäischen Wissenschaft der frühen Moderne, genauso wie in den Tresor Klub in Berlin. In ihrer Beschäftigung mit dem Verhältnis von Mensch und Natur schaffen sie im antagonistischen Spiel selbst eine monströse audiovisuelle Arbeit. Der Schnitt am Körper und am Film werden dabei zum Ausdruck der Logik von Klassifikationen und Monstrosität, lässt sich Letzteres aus dem lateinischen »monstrare« – dem Zeigen, Demonstrieren oder Lüften – ableiten. Der Film lotet dabei in seiner psychedelischen Montagetechnik stets die Grenzen der Wahrnehmung aus und wirft nicht zuletzt die Frage gegenwärtiger Monster auf. (mr)