METROPOLIS

DO 16.09.

16:30 UHR

GÄSTE: KRISTINA SAVUTSINA; GEORG KUSSMANN (KAMERA)

Q&A: DEUTSCH

KHANS LEIB

Kristina Savutsina, D/BLR 2021, 57 min, OmeU

Wie auf eine Bühne blickt die Kamera – und somit auch das Publikum: alltägliche Szenen in der belarussischen Kleinstadt Celjahany. »Celjahany« bedeutet »ein Grab Khans«, also eines einstigen großen Herrschers der mongolischen Nomaden. In einer anfänglichen Szene wird versucht, an einem großen Steingrab einen Stein in seine richtige Position zu rütteln. Es wird geheiratet, musiziert, frisiert, gewartet, gelehrt, gegangen oder gemolken. Die leicht erhöhte Zentralperspektive bewirkt dabei, abwechselnd ein Gefühl der Kontrolle oder aber des Kontrollierten zu bekommen. So einfach, wie es vielleicht formal scheinen mag, ist es dann aber auch wieder nicht: Schnitt. Die Szene wird erneut gezeigt, aus einer anderen Perspektive, zeitlich versetzt. Das wiederkehrende Rütteln am Grabstein kann so vielleicht auch als Rütteln an bestehenden Verhältnissen gelesen werden. Die strenge Form legt über die Dauer des Films etwas frei: den Blick auf ein postsowjetisches Universum, bestehend aus Choreografien des Alltags oder auch aus Eindrücken von Müdigkeit und Widerstand einer Gesellschaft. (jk)