Dokumentarfilm-Kombattanten: Heynowski & Scheumann 


In rund 25 Jahren – zwischen Mitte der 1960er Jahre bis ans Ende der 1980er – machten Walter Heynowski und Gerhard Scheumann über 70 Filme, die meisten davon unter dem Label „Studio H&S“. Das Studio hatte seit 1969 einen ungewöhnlich eigenständigen Status innerhalb der Medienmaschinerie der DDR, man drehte unter privilegierten finanziellen, politischen und technischen Umständen, die daraus hervorgehenden Filme waren national wie international erfolgreich, wurden zum Aushängeschild eines Dokumentarfilms der DDR. Ob es sich bei den Arbeiten von H&S um Dokumentar- oder Propagandafilme, um Filme im Dienst einer politischen Idee oder eigenständige Kunstwerke handelt, war dabei immer schon zu fragen.
Die Retrospektive soll dies diskutierbar machen. Die Anordnung in fünf Programmen kann dabei keinen umfassenden Überblick geben. Wohl aber kann sie 1.) eine Idee von den dokumentarischen Formen geben, derer H&S sich selbstsicher und gewandt bedienten, 2). eine Vorstellung von der ehrlichen Leidenschaft vermitteln, mit der die Filmemacher die Frontlinien des Kampfes zwischen Kapitalismus und Kommunismus immer der einen Seite zugewandt begleiteten und 3.) die Ambivalenz sichtbar machen und aushalten, die bei Filmen aufkommt, die im Auftrag eines repressiven Regimes gemacht wurden. Nur angedeutet wird dabei der Umfang des Gesamtwerks wie auch die thematischen Linien, die es durchziehen.
Vollends sichtbar aber wird die irrwitzige Sprachsicherheit Gerhard Scheumanns in Dialogen mit Freund und Feind, die kinematografisch argumentierende Finesse der Montage, die unerbittliche Insistenz beim Aufdecken des Ineinanders von Post-Nazismus und Kapitalismus selbst noch in der kürzesten Form und schließlich auch die beginnenden Zweifel ob des Abstandes zwischen Idee und politischer Realität auf Seiten der Filmemacher. Diskutierbar also wird das filmische Werk zweier Dokumentarfilm-„Kombattanten“ (Olaf Möller) in seiner ganzen Ambivalenz – zwischen Kraft spendender Gewissheit, auf der richtigen Seite zu stehen, und der damit einhergehenden Blindheit für die realen und systematischen Fehler vor und jenseits der Kamera.

ERÖFFNUNG RETROSPEKTIVE:

METROPOLIS

DO 04.04.

16:00 Uhr

EINFÜHRUNG BEI ALLEN VORSTELLUNGEN DURCH KURATOR ALEJANDRO BACHMANN